Der Altenmarkter Kirchturmfund

1872 vermählte sich Maria Niggl, Tochter und einzige Erbin des Baumburger Brauereibesitzers Ludwig Niggl, mit dem Sohn eines Mühlenbesitzers aus dem niederbayerischen Abensberg – Johann Dietl.

Dietl war ein Mann, der schnell an Autorität in Altenmarkt gewann. Bereits mit 29 Jahren wurde er das erste Mal Bürgermeister bekleidete das Amt von 1875 bis 1881. Aus dieser Zeit erzählt ein seltener Fund. 1961 wurde bei Restaurierungsarbeiten an der Altenmarkter Kirche die goldene Kuppel geöffnet. Dabei wurden Dokumente entdeckte.  Das »Trostberger Tagblatt«, etwa um den 25. Juli 1961 herum, hat deren Inhalt bekannt gemacht:

»Bei der Außenrenovierung der Altenmarkter Kirche, die z. Zt. durchgeführt wird, mußte die Kirchturmspitze abmontiert werden. Dabei wurden im Hohlraum der obersten kleinen Kuppel aus Metall zwei Flaschenbehälter vorgefunden. In einem davon befanden sich Angaben über die Reparatur des Turmes im Jahre 1879 sowie über die damaligen Verhältnisse in der Gemeinde Altenmarkt, die hiermit wiedergegeben seien: ›Bey Reparatur des Thurmdaches wurde auf

»Trostberger Tagblatt«, etwa 25. Juli 1961

Anregung des Kirchenpflegers Herrn Max Haindl, Tischlermeister hier, die Kuppel zum erstenmale im Feuer vergoldet. Nachdem die Kirche durch Reparaturen ohnedieß an Geldmitteln erschöpft war, und sogar zu Concurenzbeiträgen Zuflucht nehmen mußte, entschloß sich der Pfleger H. Haindl durch Sammlung, die sich in runder Summe auf M 250 belaufen, damit die Kosten zu decken. Durch einzeln ausgiebige Beyträge der Herren Joh. Dietl Bräuer in Baumburg seinem Schwiegervater Lud. Niggl und Josef Clemente Kaufmann dahier gelang es im Verein der weiteren Ortsbürger Herrn Haindl die Sache in Ordnung zu bringen und zu realisieren. Vergoldet wurde diese Kuppel von Cas. Hartinger aus Trostberg, seiner Profeßion Gürtler.

Johann Dietl, geboren am 20. Februar 1846 in Deisenhofen, gestorben am 27. Februar 1913 in München

Derselbe verlangte ursprünglich per Quadrat-Schuh 15 M (Kuppel 21 Quadrat!) begnügte sich wie erwähnt mit M 250. Ferner sey erwähnt, daß Herr And. Klarren, derzeit Decant und Pfarrer in Baumburg ist, welcher heuer seyn 50jähriges Priesterjubiläum am 14. Sept. feiern wird, ist nun schon 32 Jahre Pfarrer hier in der Gemeinde Altenmarkt welche gegenwärtig 950 Einwohner zählt.

Ernte heuer sehr gut. Preise der Viktualien liegt in Mittheilung bey.

Kommt einem Altenmarkter, so Gott nicht durch Feuer diese Blätter zerstört werden, jemals diese Schrift in die Hände, dann denket im Gebet jener, die schon längst im Grabe modern, den(n) vergänglich ist alles und doch plagt sich der Mensch soviel und oft so wenig fürs ewige, wie es leider in unserer nicht rosigen darniederliegenden Geschäftszeit nun ist, welche an der übergroßen Concurenz, durch unumschränkte Freigabe (freies Handwerk) aller Geschäfte und Gewerbe leider ist. Gott gebe euch Nachkommen bessere Zeiten. Amen. – Unterzeichnet: Jos. Clemente‹

Wie vom Verfasser der Aufzeichnung erwähnt, geben die beigefügten ›Landwirtschaftlichen Mittheilungen von Oberbayern, (München)‹ Aufschluß über die Preisverhältnisse für landwirtschaftliche Produkte aus dem Jahre 1879.

Im Vordergrund der Kirchturm der Altenmarkter Kirche, im Hintergrund die Kirche von Baumburg. Die Aufnahme stammt etwa aus der Zeit des Kirchturmfundes (1961)

Unter anderem seiendaraus folgende Preisnotierungen genannt: Mastochsenfleisch -,66 M, Kalbfleisch beste Qualität -,66 M, Schweinefleisch -,70 M, Schmalz -,90 M, Gebirgsbutter 1.10 je Pfund, Eier frisch 8 Stück -,13 M, Ochsen Lebendgewicht per Zentner 28—34 M, Kühe p. Ztr. 20-26 M, Kälber p. lebend Pf. 30—44 Pfg., Schweine per Pfd. lebend 32-38 Pfg., Weizen 10,- M, Korn (Roggen) 7,- M, Gerste 6,- M je Zentner.

In dem zweiten Flaschenbehälter befand sich ein vergilbter Zettel mit den Namen der Handwerker, die an der Reparatur des Turmdaches beteiligt waren, mit folgendem Inhalt:

›Altenmarkt, 28. Juni 1879. Andreas Herbst in Baumburg als Palir. Mth. Herbst, Peteranderl und Lang von Altenmarkt. (Andreas Herbst ist beim Abbau des Gerüstes verunglückt und an den Folgen des Unfalles 1880 im Alter von 33 Jahren gestorben — einer noch erhaltenen Grabsteininschrift entnommen). Die Oberflächenmaße der kleinen Kuppel dürften etwa 7 qm betragen (1 Schuh = ca. ⅓ Meter). In der Werkstätte des Malermeisters Rappel in Traunstein wird gegenwärtig die altbewährte Feuervergoldung vorgenommen.‹

Nach Vollendung der Reparaturen wird man sicherlich nicht versäumen, der Nachkommenschaft von Altenmarkt auf gleiche Weise einen Einblick in unsere heutigen Zeitverhältnisse und die Bevölkerungsstruktur der Gemeinde zu überliefern.«