Das »Aeolodikkon« und die Reise nach London

In Tölz waren Anton Ignaz und Sohn Joseph Anton Niggl eng mit der Musikerfamilie Heiß, Vater Peter und Sohn Christoph[1], verbunden. Josephs Tochter Anna ging mit Christoph sogar den Bund fürs Leben ein. Peter Heiß tüftelte, dem damaligen Zeitgeist folgend, an einem neuartigen Musikinstrument.

Joseph Anton Niggl (1792 – 1842)

Solche Ideen ließen sich damals wie heute nicht ohne Geld verwirklichen. J. A. Niggl übernahm – nicht ohne Eigennutz zu wittern – die Rolle des Mäzens. Die technische Umsetzung übernahm der Uhrmacher Jacob Deisenrieder aus Gmund am Tegernsee.

Am 22. März 1828 starb, »im 31sten Jahre ihres Alters«, Joseph Niggls Frau Creszentia »nach einem zweijährigen Krankenlager«. Sie hinterließ sieben Töchter. Trotz des Verlustes der Frau und der damit für ihn verbundenen Mehrbelastungen konnte er gut vier Jahre später den nächsten Sprung auf seiner Karriereleiter machen, über den in der Zeitung zu lesen war: »In dem Markte Tölz wurde bey der am 11. Decmbr. vor. Jrs. [1832] statt gehabten Wahl für die Stelle eines Bürgermeisters der bisherige Gemeinde-Bevollmächtigte Jos. Anton Niggl, Handelsmann von dort, zum Bürgermeister erwählt, und bestätigt.[2]« Schon 1818 war Joseph Anton Niggl – damals gerade 26 Jahre alt – Gemeindebevollmächtigter in Tölz. In »Die Bayer‘sche Landbötin« vom 14. Februar 1832 finden wir ihn auch als Vorstand des Vereins der bürgerlichen Handelsleute in Tölz.

Mit ganzem Herzen scheint er allerdings nicht an diesem Amte gehangen zu haben. Eine ganz andere Leidenschaft nahm ihn zu dieser Zeit in Anspruch – ein neuartiges Musikinstrument. Lassen wir einen Zeitzeugen zu Worten kommen, der in sich überschlagender vaterländischer Euphorie das Wunderwerk besingt:

»Bewundernswerthe Erscheinung

Welch‘ große Talente zu den herrlichsten Erfindungen in so manchem deutschen Manne und besonders in unserm lieben Vaterlande schlummern, und welch kleiner Aufmunterung und Erweckung zum Hervortreten an‘s Licht diese verborgenen Talente bedürfen, davon liefern uns drei ganz schlichte, anspruchlose Männer einen schönen Beweis.

Viele Jahre schon gieng Herr Peter Heiß, Organist in Tölz, mit der Idee um, in einen einfachen Flügel oder Fortepiano, einen Mechanismus zu bringen, der dieses Instrument in den Stand setze, ein förmliches Instrumental-Quartett zu spielen.

Von den, zu einem solchen Unternehmen nöthigen Mitteln entblößt, vertraute er sich dem dortigen Bürgermeister Herrn Jos. Ant. Niggl, Inhaber der Fr. Mich. Kyreinschen Handlung an.

Mit der einsetzenden industriellen Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts, erlebte auch die Musikwelt neue Spielarten. Aeolodikkon nannten Enthusiasten die Niggl finanzierte Heiß-Erfindung. Andere waren wohl schneller. Als Aelodicon – so Wikipedia – wird eine Art Orgel bezeichnet, welche um 1810 von Johann Caspar Schlimbach erfunden wurde und der Vorläufer des Harmoniums ist. Das Aelodicon besitzt in seinem Inneren Stimmplatten mit jeweils einer Gruppe von Stimmzungen, auch Kanzellen genannt. Über zwei Tretschmemel oder Schöpfpedale gelangt die Luft, die man wie bei Orgel oder Harmonium Wind nennt, in das Gehäuse und bringt so die Stimmplatten zum Klingen, wenn man eine Taste drückt. Das ursprüngliche Instrument war ein Querhammerflügel mit solchen Stimmplatten und -zungen, später aber wurde das Instrument so verbessert, dass die Luft beim Treten mit den Füßen zu den Stimmplatten und -zungen gelangte. Diese Art von Tonerzeugung übernahm später das Harmonium vom Aelodicon und bildete zwei Formen heraus: das Druckwindharmonium und das Saugwindharmonium. Das Aelodicon hat weiters Register, mit denen man während des Spiels bestimmen kann, welchen Klang es erzeugen soll. Diese Eigenschaft übernahm das Harmonium auch vom Aelodicon. Das Aelodicon ist verwandt mit Orgel, Harmonium, Aeoline, Mundharmonika, Blasakkordeon und Psallmelodikon. Bilder dieses technischen »Wunderwerkes« scheinen nicht überliefert. Hier das Inserat für das Melodeon aus den USA.

Dieser würdige Mann, ein enthusiastischer Verehrer der Musik, erfaßte schnell den herrlichen Gedanken, und leistete dem Erstern nicht nur allen erforderlichen Geldvorschub; sondern munterte ihn auch noch auf alle mögliche Weise zur Erreichung des schönen Zieles auf, und trug durch unermüdetes Nachdenken und Forschen einen wesentlichen Theil zur Realisirung der großen Idee bei. Endlich handelte es sich um ein geschicktes Subjekt zur Bearbeitung des Mechanismus selbst; und dieses fanden sie in dem – nicht einmal gelernten – Uhrmacher Herrn Jakob Deisenrieder in Gmund bei Tegernsee, der die schwierige Aufgabe nach der genauen Vorzeichnung des Herrn Niggls, löste. So gelang es auch wirklich diesen drei Männern, eine Erfindung zu machen, deren ähnliche noch keine Nation der Erde aufzuweisen hat.

Ein einfacher Flügel, den Herr Bürgermeister Niggl schon vor sieben Jahren, zu keinem andern Zwecke als zu seinem Vergnügen kaufte, spielt nun das reinste und schönste Saiten-Quartett. Mit diesem Instrumente – das nunmehrige Eigenthum Herrn Niggls – kam letzterer nebst Herrn Heiß am vergangenen Dienstag [12. Februar 1833] hier an, und sie hatten gestern Abend das Glück, sich damit in der Residenz vor dem Allerhöchsten Hofe, in Anwesenheit Sr. Erzellenz des Regierungs-Präsidenten Herrn Graf von Seinsheim und anderer hohen Personen zu produziren.

Nach einem von Herrn Heiß gespielten Präludium, welches die Allerhöchsten Herrschaften in einem Seitengemache anzuhören geruhten, wurden die Produzenten mit der schmeichelhaftesten und rührendsten Auszeichnung empfangen; wodann der jüngere Heiß, Sohn des Vorhinerwähnten und Zögling des musikalischen Instituts dahier, Variationen von Maiseder, und nach diesen das bekannte ›God King save the King‹ auf fünferlei Art, nemlich 1) als Clavier, 2) als Saiten-Quartett, 3) als Glasharmonika, 4) als Harfe, und 5) als Flöte, letzteres mit Begleitung des Saitenquartetts – vortrug, und welches auf Allergnädigstes Verlangen Ihrer Majestät der Frau Königin wiederholt werden mußte. Nicht minder herrlich nahm sich ein von Herrn Karl Mayer, Vorstand des musikalischen Instituts, eigens komponirtes, von Demois. Pichler gesungenes und mit diesem Instrument begleitetes Ariette aus.

Gedenktafel für Joseph Anton Niggls Schwiegersohn Christoph Heiß

Dieß Alles wurde auf einem Instrumente vorgetragen, dessen Aeußeres sich nur als ein gewöhnlicher Flügel mit zwei Claviaturen dem Auge präsentirt und dessen Inneres ebenfalls einem andern gewöhnlichen Fortepiano gleicht; denn der ganze darin ruhende Mechanismus könnte ganz komod in eine Rocktasche geschoben werden.

Beglückt mit dem Allerhöchsten und herzlichst ausgesprochenen Beifalle wurden genannte Produzenten entlassen; und dürfen wir dem Gerüchte glauben, so läßt Herr Bürgermeister Niggl dieses anstaunungswürdige Instrument in ungefähr 14 Tagen in einem Concerte im königl Odeon hören, und verschafft dadurch dem Publikum Gelegenheit, eine Erscheinung zu sehen und zu hören, von dem sich selbst die größten Musik-Künstler noch keinen Begriff machen können.

Dr. W. Lindner«[3]

 

Wenige Tage später, am 8. März 1833 meldete das »Augsburger Tagblatt« auf der ersten Seite: »Herr Bürgermeister Niggl und der Organist Heiß aus Tölz sind in dahier angekommen, und haben ihre große Erfindung in den drei Mohren aufgestellt. Wir verdankten es der Gefälligkeit dieser Herren, dieses neu erfundene Fortepiano gehört zu haben, und unsere Erwartung wurde wirklich weit übertroffen. Dieses Instrument leistet bei ganz gewöhnlicher Formen das, was das schönste Quartett leistet, und es ist zu wünschen, dass man die größere Vervollkommnung allen Fleiß aufbiete. Die Herren Erfinder sind gesonnen nach England zu reisen, dort wird diese Erfindung ihren Lohn gewiss finden, und unser überbescheidenes ja oft undankbares Vaterland wird es zulassen, dass das Ausland belohnt, was im Inlande gearbeitet wird.«

aus: »Außerordentliche Beilage zur Allgemeinen Zeitung«, Augsburg, 2. December 1833

 

Nur etwa eine weitere Woche später konnten geneigte Leser über die – von einem nicht genannten Verfasser zu Papier gebrachte – nächste Lobeshymne auf das Wunderinstrument staunen: »Schon wiederum muss ich mich in Schilderung weiblicher Verdienste unterbrechen. Denn eine wichtige Neuigkeit habe ich heute der gesamten Frauen-Welt zu verkünden, ich möchte sagen, eine musikalische Neuigkeit. Sie gehört umso mehr vorzugsweise für die Frauen, als die musikalische Männer-Welt unter keinem männlichen Protektorat entsteht, sondern einer Jungfrau, der heil. Cäcilia, huldigt. Also zur Sache.

Viele Jahre schon ging Herr Peter Heiß, Organist in Tölz, mit der Idee um, in einen einfachen Flügel, oder Forte-Piano, einen Mechanismus zu bringen, der dieses Instrument in den Stand setzte, ein förmliches instrumental-Quartett zu spielen. – Von den, zu einem solchen Unternehmen nötigen Mittel entblößt, vertraute er sich dem dortigen Bürgermeister, Herrn Jos. Anton Niggl, Inhaber der Fr. Mich. Kyrein‘schen Handlungen, an. – Dieser würdige Mann, ein enthusiastischer Verehrer der Musik, erfasste schnell den herrlichen Gedanken, und leistete dem Erstern nicht nur allen erforderlichen Geldvorschub, sondern munterte ihnen auch noch auf alle mögliche Weise zur Erreichung des schönen Zieles auf, und trug durch unermüdliches Nachdenken und Forschen einen wesentlichen Teil zur Realisierung der großen Idee bei. Endlich handelt es sich um ein geschicktes Subjekt zur Bearbeitung des Mechanismus selbst; und dieses fanden sie in dem – nicht einmal gelernten – Uhrmacher Herrn Jakob Deisenrieder in Gmund bei Tegernsee, der die schwierige Aufgabe, nach der genauen Vorzeichnung des Herrn Niggls, löste. So gelang es auch wirklich diesen drei Männern, eine Erfindung zu machen, deren ähnliche noch keine Nation der Erde aufzuweisen hat. – Ein einfacher Flügel, den Herr Bürgermeister Niggl schon vor 7 Jahren, zu keinem anderen Zwecke als zu seinem Vergnügen, kaufte, spielt nun das reinste und schönste Saiten-Quartett. Mit diesem Instrumente – das nunmehrige Eigentum Herrn Niggls – kam Letzterer nebst Hrn. Heiß am 12. Febr. h. Js. in München an, und sie hatten am 17. Febr. abends das Glück, sich damit in der Residenz vor dem Allerhöchsten Hofe, in Anwesenheit Sr. Exzellenz des Regierungs-Präsidenten Hrn. Grafen v. Seinsheim und anderer hoher Personen zu produzieren.

Nach einem von Herrn Heiß gespielten Präludium, welches die Allerhöchsten Herrschaften in einem Seiten-Gemache anzuhören geruhten, wurden die Produzenten mit der schmeichelhaftesten und rührendsten Auszeichnung empfangen; wodann der jüngere Heiß, Sohn des Vorhinerwähnten und Zögling des musikalischen Instituts dahier, Variationen von Maiseder, und nach diesen das bekannte ›God save the King‹ auf fünferlei Art, nämlich 1) als Klavier, 2) als Saiten-Quartett, 3) als Glasharmonika, 4) als Harfe, und 5) als Flöte, letztere mit Begleitung des Saiten-Quartetts – vortrug, und welches aus Allergnädigstes Verlangen Ihrer Majestät der Frau Königin wiederholt werden musste. Nicht minder nahm sich ein von Herrn Karl Mayer, Vorstand des musikalischen Instituts, eigens komponiertes, von Demois. Pichler gesungenes und mit diesem Instrument begleitetes Ariette aus.

Dies Alles wurde auf einem Instrumente vorgetragen, dessen Äußeres sich nur als ein gewöhnlicher Flügel mit zwei Klaviaturen dem Auge präsentiert und dessen Inneres ebenfalls einem andern gewöhnlichen Fortepiano gleicht; denn der ganze darin ruhende Mechanismus könnte ganz kommod in eine Rocktasche geschoben werden.

Beglückt mit dem Allerhöchsten und herzlichst ausgesprochenen Beifalle wurde genannte Produzenten entlassen; und dürfen wir dem Gerüchte glauben, so lässt Bürgermeister Niggl dieses anstaunungswürdige Instrument nächstdem in einem Konzerte im königl. Odeon hören, und verschafft dadurch dem Publikum Gelegenheit, eine Erscheinung zu sehen und zu hören, von dem sich selbst die größten Musik-Künstler noch keinen Begriff machen können.[4]«

Den Fortgang der Geschichte beschreibt Forner (siehe auch den Abschnitt über Anton Ignaz Niggl): »So ließ er [Jos. Ant. Niggl] sich auch zu einer Reise nach London in Begleitung des Organisten Heiß und eines Mechanikers mit einem neu erfundenen Musikinstrumente verleiten, die ungeheure Geldsummen verschlang und durch seine Abwesenheit während eines ganzen Jahres (1833-34) der Handlung den größten Schaden zufügte.[5]« Dazu lesen wir: »Christoph Heiß, Tonkünstler, war geboren am 15. Januar 1817. Schon im zarten Knabenalter verriet er bedeutendes Talent zur Musik, das sein Vater, als Pfarrerorganist selbst musikkundig, durch und ausgesetzte Übungen zu bilden bemüht war. Mit 15 Jahren bereits spielte Christoph Heiß ein von diesem erfundenes, und von Deisenrieder in Gmund ausgeführtes Instrument, › einen neu konstruierten Flügel,‹ den man am füglichsten ein Streichklavier nennen konnte, mit anerkannter Meisterschaft. Wie ein noch erhaltene Konzertvetter aus Frankfurt v. 24. Oct. 1833 besagt, ahmte das Instrument den Flöten-Harfen- und Glasglockenton, ein Violinquartett und das Orgel-Gambaton mit abwechselnder Anwendung seiner beiden Klaviaturen nach. Nachdem der Erfinder Peter Heiß sich mit seinem merkwürdigen Harmonikon selbst vor dem königlichen Hofe hatte vernehmen lassen, interessierte sich ein sehr gebildeter Kaufmann in Tölz, J. Ant. Niggl in solchem Grade für die Sache, dass er im J. 1833 mit Christoph Heiß eine Kunstreise nach England unternahm. In London erregte der Jugendliche virtuose durch sein ebenso fertiges als seelenvolles Spiel die größte Bewunderung; er produzierte sich, wie Niggls Briefe aus London dartun, vor der damaligen Kronprinzessin Viktoria, der Herzogin von Kent, den persischen Gesandten, dem Bischofe von London, dem obersten Admiral von England, selbst Paganini besuchte ihn, – doch machte alles Lob in nicht eitel, vielmehr nahm sein Gemüt durch längeren Umgang mit einem edlen Missionspriester Tee für religiöse Eindrücke von der Hauptstadt Albions[6] mit sich. Ihren Wert ließen ihn ernstere Erlebnisse bald erfahren das sehr empfindliche Streichklavier, oft kostspieliger Reparaturen bedürftig, war in London nicht ohne Nachteil an den Mann gebracht, und Heiß kehrte im J. 1834, durch mancherlei Schickungen geprüft, ins Vaterland zurück. Von nun an war der längere Zeit in Tölz als Pfarrerorganist tätig, bis ihm im J. 1841 auf seinen Wunsch der Messner Dienst an der Pfarrkirche übertragen wurde. Mit musterhafter Treue erfüllte der bescheidene Mann ›der Kirche stille Pflicht,‹ in deren Ausübung er am 15. April 1868 durch einen unglücklichen Sturz den Tod fand.[7]«

In die Kirchenwand eingelassenes Grabmal für Jakob Deisenrieder in Gmund

In einer Beschreibung der Pfarrei Gmund wird ebenfalls auf den Flop des Gespanns Niggl-Heiß-Deisenrieder eingegangen: »In den Jahren 1828/29 erfand Deisenrieder den Mechanismus für ein Musikinstrument, welches die Mitte halten sollte zwischen einem Piano und Orgel, in Violinen-, Flöten- und Harfentönen, etwa dem heutigen Aeolodikkon[8] entsprechend. Das Spiel darauf verstand der geschickte Organist Josef [richtig: Christoph] Heiß aus Tölz. Ein wackerer Bürger, Herr Kaufmann Niggl daselbst, wohlhabend wie er war, interessierte sich durch Geldunterstützung für diese in seiner Art damals ganz neue Erfindung und beabsichtete 1830/31 solche auf Reisen bekannt zu machen und durch Heiß spielen zu lassen. In London sollte die neue Musik auf‘s Rentabelste der an den Mann gebracht werden. Diese Spekulation fiel jedoch nicht nach Wunsch aus. Herr Niggl scheint den Preis zu hoch gegriffen zu haben, und sollte es für 100.000 Pfd. Sterling ausgeboten haben. Das Instrument gefiel einerseits wohl bei Kennern, welche ihn jedoch andererseits keine Dauerhaftigkeit verhießen. In der Tat kam es so. Niggl und Heiß, die mitgereist waren nach Albion, mussten schließlich es um jeden Preis zurücklassen und kehrten heim. So wurde mir wenigstens versichert. Vergeblich hatte man diese Musik in öffentlichen Blättern gerühmt und empfohlen, und vergeblich war zu deren völligen Reparatur ein tüchtiger Schüler Deisenrieders, Joseph Atzl, aus Brandenburg in Tirol, beinahe ein Jahr in London verweilt.[9]«

Jacob Deisenrieder starb schon bald nach der musikalischen Eskapade am 25. April 1833. Joseph Anton Niggl richtete seinen geschäftlichen Blick auf andere Projekte.

Fußnoten

[1] Erst jüngst wurde er wieder gewürdigt: Christoph Heiß wurde vor 200 Jahren, am 15. Januar 1817 in Tölz geboren, sein Vater war Pfarrorganist. Heiß spielte bereits in jungen Jahren meisterhaft Klavier und erregte großes Aufsehen durch sein Spiel auf dem sogenannten „Streichklavier“, ein von seinem Vater entwickeltes Instrument. Konzertreisen führten ihn bis nach London, wo er auch Paganini getroffen haben soll. Nach einer Zeit als Klavierlehrer in München nimmt Heiß 1841 die frei gewordene Tölzer Messner- und Kirchenmusikerstelle an. 1847 wird ihm die Stelle als Münchner Domkapellmeister angeboten, welche er aber ablehnt. Beim Abbau der Heilig-Grab-Kulisse stürzt er am 14. April 1868 vom Hochaltar ab und stirbt einen Tag später. Seine Missa solemnis in C-Dur aus dem Jahre 1863, genannt „Tölzer Messe“, wurde 1993 von Johannes Fischer neu herausgegeben und an hohen Festtagen immer wieder vom Tölzer Kirchenchor aufgeführt. (Merkur.de, 16. 08.2017)

[2] »Königlich-Bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis«, München, 6. Februar 1833

[3] »Der Bayerische Volksfreund«, Nro 28, 18 Februar 1833

[4] »Allgemeine deutsche Bürger- und Bauern-Zeitung«, Regensburg, 16. März 1833

[5] Forner, »Niggl…«, a.a.O., S. 21

[6] Albion (bei Ptolemäus Ἀλουίων, Alouion) ist ein antiker Name für die Britischen Inseln oder Großbritannien, obwohl der Begriff meist auf England bezogen wird. Der Begriff wird auch neuzeitlich vor allem dichterisch für England benutzt.

[7] »Chronik der Burg und des Marktes Tölz«, von Georg Westermayer, Pfarrprediger und Benefiziat in Tölz, Mitglied der histor. Vereine von Ober- und Niederbayern, Tölz 1871, S. 179f.

[8] Als Aeolodikon wird eine Art Orgel bezeichnet, welche um 1810 von Johann Caspar Schlimbach erfunden wurde und der Vorläufer des Harmoniums ist.

[9] Obermayr, Josef, »Die Pfarrei Gmund am Tegernsee und die Reiffenstuel«, Freising, 1868, S. 228f.