Verschollene Hauschronik – Teil 2

Biedermeierliche Wanderschaft: Im August 1818 wo die Arbeit sich mindert, trat ich den 9. die Reise wieder an, benützte die Gelegenheit da mein Bruder Anton, Handelsmann in Tölz, zum Tüchereinkauf nach Linz fuhr, so fuhr ich mit und als ich in Linz war, traf ich einen bekannten Gesellen an, der in Neuötting war. Da der Herr, Straßer mit Namen, in der Linzergasse während der Dultzeit viel Arbeit hatte, ersuchte er mich um Aushilfe, die ich ihm auch 14 Tage leistete, alsdann fuhr ich auf einem Schiff bis Wien am 1. Sept. 1818, brauchten zwei Tage, blieb in Wien fünf Tage und reiste am 8. Sept. mit einem ordinären Schiff nach Preßburg. Wir erhielten schlechtesten Wind und mußten 7-8 Stunden Windfeiern, kamen erst den andern Tag gegen Mittag in Preßburg an.

Am nämlichen Tage ist übrigens auch zum erstenmal das neuerbaute Dampfschiff abgegangen, das bestimmt war von Wien bis Ofen[10] und Pest zu fahren. Es ging eine Stunde unterhalb Wien ab, ich wußte aber nichts davon. Das Dampfschiff hätte uns anhängen lassen, wenn der Schiffknecht von unserm Schiff das Seil besser geworfen hätte. So mußten wir nachsehen wie flott es dahinging. In Preßburg machte es eine Probefahrt, wo ich darauf fuhr. In Preßburg, die Hauptstadt von Oberungarn, ging ich den 10. Sept. wieder ab, fuhr auf der fliegenden Brücke hinüber und ging nach Ödenburg,[11] Stein am Anger, durch des Fürsten Esterhazy großen Tiergarten, nach Hartberg, Gleisdorf und Graz, Hauptstadt in Steyermark, wo ich den 17. Sept. ankam. Von da ging  ich den 19. Sept. nach Bruck an der Mur und Maria Zell, große Wallfahrt. ehrwürdig, schön und reich, besah die Schatzkammer, verrichtete meine Andacht mit Beicht und Kommunion; reiste am 23. Sept. wieder über Gußwer, ein großartiges k und k Eisengußwerk, und über Frohnleiten zurück nach Bruck an der Mur, von da nach Laim und Salzburg wo ich den 4. Okt. abreiste, über Teisendorf, Traunstein, Trostberg nach Neuötting, wo ich am 8. Okt. eintraf und wieder Arbeit erhielt.

Da die Arbeit im Winter nicht stark geht, reiste ich den 27. Dez. ab nachhause, ging aber bald wieder nach München zu Herrn Speiser in der Neuhausergasse, wo Gesell und Lehrjung erkrankt waren, arbeitete da bis 25. März, wo ich zuvor ehe ich wieder in die Kondition bei Herrn Hillebrand was schon bestimmt war eingetreten wäre, meinen Vater, Großvater und Bruder in Au besuchen wollte. Leider und groß bedauernd kam mir das große Brandunglück meiner Heimat am 24. März 1819 dazwischen, wo Haus wie Ökonomiegebäude wie Herrn Vaters Austragslogie, der Turm, vom Feuer zernichtet wurden. Ich habe nun zu diesem Bau von meinem Muttergut 2000 Gulden samt Interessen meinem Bruder, Frau Schwägerin und Familie, wo drei Kinder schon da waren, als Brandsteuerschankung gemacht

Am 25. Sept. 1819 trat ich bei Herrn Hillebrand Lebzelter in Neuötting wieder in Kondition ein. Arbeitete alldort bis 5. Feb. 1821 wo ich nachhause reiste da ich mir vornahm eine weite Reise zu machen und das Ausland zu benützen.

1821 den 26. April reiste ich von meiner Heimat ab und ging nach Weilheim; in Mindelheim, wo ich Verwandte hatte, hielt ich mich ebenfalls einige Tage auf, alsdann am 8. Mai ging ich über Kaufbeuren, Ginzburg nach Kempten. Allda traf mein Reisekamerad Anton Hyper,[12] Bräuerssohn von Weilheim, ein und wir reisten nun mitsammen am 8. Mai ab, über Wangen nach Lindau, wo wir am 10. Mai waren, von da über den Bodensee gefahren nach Rorschach, erstes Städtchen in der Schweiz, nach St. Gallen, Kanton und große Stadt, den 11. Mai alldort gewesen, dann durch den Kanton Thurgau, den Kanton Schaffhausen. Stadt und eine kleine Stunde von Schaffhausen beim Schloß Laufen befindet sich der Rheinfall, den wir sahen und der sehr merkwürdig zu sehen ist; waren am 14. Mai alldort, am 15. über Eglisau nach Zürich, Kanton und Stadt, am 16 Mai alldort gewesen, dann über Zürchesee nach Wodschwil, Richtenschwil, nach Maria Einsiedl, wo wir am 17 Mai ankamen, unsere Andacht verrichteten, welches Gotteshaus und Wallfahrt erhaben schön dasteht; wir gingen nachmittag wieder ab von da, über den Hackenberg, zwei Stunden hoch, eine herrliche Aussicht ins Schwyzertal und Erquickung auf einer Alpenhütte allda mit Milch, Käs, Butter, nach Schwyz, schöner Marktflecken, katholisch mit schöner Pfarrkirche, Kapuziner- und Franziskanerkloster allda, beim Hirschenwirt den 18. Mai übernachtet. Den andern Tag wieder abgereist und passierten über den Schutt, wo nämlich den 6. Sept. 1806 abends zwischen 5 und 6 Uhr das Dorf Goldau von einem Berg, der einging, verschüttet wurde. Verschüttet wurden 190 Firste und 487 Personen. Nun kam ich auf den Fuß des Rigibergs, nach verschiedenen romantischen Ansichten, als Wasserfälle, Gemsen, Felsen u. dgL kamen wir nach drei Stunden harten Bergsteigens in Rigi an um 10 Uhr. Rigi ist zugleich eine Wallfahrt Maria vom Schnee, unfern von der Kirche eine Kapuziner-Hospitium mit zwei Patres und einem Frater. Wir machten in einem Gasthaus, wo drei da sind, Mittag und gingen am Nachmittag auf den Kulm, noch eine Stunde hoch; in meinem Leben wird in meine Augen keine solche herrliche Weide oder Aussicht mehr kommen, im Ganzen sah ich zwei Städte, 13 Seen, 23 Dörfer.

Den 19. Mai verrichteten wir in der Wallfahrtskirche zu Rigi unsere Andacht mit Beicht und Kommunion und gingen dann wieder den Berg herab, der hohlen Gasse zu, wo Wilhelm Tell den Burgvogt Gessler mit einem Pfeil erschoß und dadurch die Schweiz befreite, die noch eine Republik ist. Unfern dieser hohlen Gasse ist eine Kapelle, die noch steht und die die obige Geschichte vom Tell enthält. Kamen dann nach Kyßnach einem Dorf, liegend am Vierwaldtstättersee, wo nämlich an diesem See die vier Kantone und Wahlstädte Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern angrenzen. Nach genommenen Mittagsmahl in Kyßnach stiegen wir in ein Schiff und fuhren auf diesem See, wo halbwegs gegen Luzern zu rechter Hand das Schloß Habsburg, aber in Ruin, dasteht, wo die Kaiser von Österreich herstammen. Gelangten dann glücklich nach Luzern den 20. Mai und logierten im Gasthaus »Zum weißen Rössl«, besahen alle Merkwürdigkeiten, als Zeughaus, Basrelief[13] von General Pfyster, welches eine zweite Gegend der Schweiz enthält und 25 Jahre daran arbeitete, in der Pfarrkirche mehrere kostbare Schätze, wie die Orgel, die eine von den größten in Deutschland wäre und verschiedenes anderes noch. Reisten nachmittag wieder ab, kamen über verschiedene rauhe Berge und über einen hohen Berg mit Namen Braneck auf ein Dorf mit Namen Entlibuch, dessen Nachkömmlinge von Schweden waren.

Von da reisten wir am 21. Mai wieder ab und gingen über Schopfheim einem Dorf, dann über Siegenau, Schloß und Wohnsitz einiger Landvögte, dann auf Großhochstätt, und so meistens in einem Tale gehend nach Bern, große Stadt in Kanton Bern, wo wir am Mittag 22. Mai ankamen. In einem Zwinger erhaltet diese Stadt immer zwei lebende Bären, in einem anderen Zwinger viele lebende Hirsche und Rehe. Nach Visierung der bayerischen und französischen Gesandtschaft und Stadtpolizei reisten wir ab am 24. Mai und kamen über Yqistorf[14] nach Solothurn, Stadt dieses Kantons gleichen Namens. Am 25. Mai wieder abgereist nach Basel, wo wir am 26. mittags ankamen.

Basel ist eine alte Stadt am Rhein und teilt sich mittels Rhein in zwei Städte ab, als über dem Rhein die Stadt Kleinbasel, hat auch so manche Merkwürdigkeiten und liegt etwas flach. Den 27. gingen wir nach St. Louis dem ersten französischen Grenzort, wo wir über Mühlhausen und Kolmar nach Straßburg wollten: allein sie gaben’s nicht zu, da wir die Pässe oder Wanderbücher abgeben hätten sollen und in Straßburg wieder empfangen hätten, was wir nicht wollten. Daher uns in St. Louis wieder auf die deutsche Seiten visierten, über den Rhein mußten und auf dem Dorf Stein über Nacht blieben und den 28. Mai nach Freiburg kamen. Den 29. gingen wir wieder ab, kamen nach Kypenheim, einer kleinen Stadt, blieben über Nacht und gingen über Lahr, einer Fabrikstadt, nach Kehl, Grenzstadt von Baden, Elsaß und Straßburg. Donnerstag, 31. Mai, war gerade Himmelfahrtsfest, gingen wir unvisierter nach Straßburg, kamen um 8 Uhr im Dom an, wohnten dem Gottesdienst bei, besahen und bestiegen den merkwürdigen Turm. Um 12 Uhr große Wachtparade der Elsässer Truppen. Gingen am Abend wieder zurück nach Kehl. Den 1. Juni gingen wir von da über Bischofsheim und Lichtenau nach Baden, einer hübschen Stadt mit einer wichtigen heilsamen Brunnquelle, die ganz heiß aus der Erde quillt.

Den 2. Juni gingen wir über Rastatt – hübsche Stadt und Schloß, unweit befindet sich eine tausendjährige Eiche – nach Dormschheim, und unweit eine schöne Wallfahrtskirche, Maria Bittersheim genannt, eine schöne Wallfahrtskirche, Maria Bittersheim genannt, nach Karlsruh, schöne Residenzstadt mit Merkwürdigkeiten, die wir besahen. Gingen den 3. nach Bruchsal, Stadt und Residenz einer Markgräfin, eine Salzsaline. Gingen wieder ab und kamen nach Heidelberg, schöne Stadt am Neckar mit altem großem Schloß, worin sich das große Faß, 250 Fuder haltend, befindet, Und eine dauerhaft schöne steinerne Brücke über den Neckar, erbaut vom Kurfürsten Karl Theodor. Wird auch viel Wein gebaut. Den 5. gings über Schwetzingen, schönes Dorf mit einem prächtigen, schönen Lustgarten von Karl Theodor errichtet, wo man sich herrlich vergnügen kann im Sommer, und an den Pfingstfeiertagen mehrere Tausend Menschen zusammenkommen, nach Mannheim, eine schöne Residenzstadt, ganz egal gebaut mit vielen Sehenswürdigkeiten und zwei Schiffbrücken, eine über den Neckar, die andere über den Rhein. Donnerstag den 7. gings nach Worms, alte Stadt mit schöner Domkirche, auch berühmt von Martin Luthers Zeiten her, gingen dann bis Wiesbaden, Stadt und Badort mit heißer Quelle und einem schönen Kursaal, der erst vollendet worden ist und 100 000 Gulden gekostet haben soll. Von da gingen wir den 8. Juni nach Mainz, schöne Stadt und bedeutende Festung, wo sich der Main in den Rhein ergießt. Große Schiffbrücke über den Rhein. Der Dom auch merkwürdig. Von da fuhren wir mit dem Postschiff den 9. Juni nach Frankfurt am Main, kostete 24 Kreuzer. Frankfurt ist eine alte bedeutende Handelsstadt. hat jährlich zwei berühmte Messen, schöne Brücke über den Main, von Quadersteinen erbaut, die nach Sachsenhausen führt.

Den 12. Juni fuhren wir wieder mit dem Marktschiff am Main nach Hanau. Ist eine schöne egal gebaute Stadt, gehört zu Hessen. 1813 eine bedeutende Schlacht.[15] Von da gingen wir am 13. Juni nach Aschaffenburg, Residenz an der Grenze von Bayern am Main, hübsche Stadt. Von da gingen wir am 14. Juni über Münchsberg, Stadtprozelten, vor mehrere Weinberge vorbei nach Wertheim, Stadt am Main, zu Baden gehörig.

Von da den 15. Juni nach Würzburg eine sehr schöne Residenz, Dom und Kirche wie Brücke über den Main und zwölf Statuen darauf, und doppelter Kran zur Ausladung der Schiffe.

Den 18. Juni gingen wir über Dettelbach, berühmtes Wallfahrtsvesperbild, geschnitzelt 1½ Schuh hoch, und Ebrach, schöne Klosterkirche und ehemalige Klostergebäude, nach Burgringheim, ein kleiner Flecken und außerdem eine kleine Sommerresidenz.

Den 19. Juni gingen wir dann nach Bamberg. Den 22. gingen wir über Rattelsdorf, Gleusen nach Koburg, der Hauptstadt dieses Herzogtums, Residenz und unweit eine kleine Festung.

Den 23. reisten wir über Hildburghausen, ebenfalls Residenz, nach Meiningen. Schöne Promenade. Es war Sonntag, wo während dem Frühgottesdienst die Tore gesperrt sind und nur bei wichtigen Sachen gegen viermal geöffnet werden.

Den 24. gingen wir über Schmalkalden, alte Stadt mit Salzsudwerk, nach Tambach, Dorf, nach Gotha, Residenz nebst einem Münzkabinett, Bildergalerie, Rathaus.

Den 25. Juni kamen wir nach Erfurt, Stadt und Festung, nun zu Preußen gehörig, eine alte, ehrwürdige Domkirche mit großer Glocke, die 5 Ellen hoch und 5 Ellen im Durchschnitt mißt. Hat ein Gewicht von 275 Pfund. Der Schwengel allein wiegt 11 Zentner. Aufschrift: »Maria gloriosa«. Zwei Hauptkirchen stehen nebeneinander, als nämlich Dom- und Stiftskirche die sehr alt sind und viele ehrwürdige Denkmäler besitzen. Die Belagerung 1813 hat dieser Stadt viel Schaden verursacht.

Von da gingen wir am 26. Juni bis Weimar Residenzstadt, nicht sehr groß, den 27. gings über Eggersberg und Naumburg bekannt wegen der Hussitenbelagerung, wo am 11. Juni dies Andenken feierlich begangen wird nach Weißenfels nicht sehr bedeutende Stadt, zu Preußen gehörig.

Am 28. gingen wir über Lützen berühmt wegen zweier großer Schlachten, am 6 November 1632 der Schweden und am 2. Mai 1813 der Russen, Preußen und Franzosen, nach Leipzig, große Handelsstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten.

Den 30. Juni gingen wir über Wurzen nach Oschatz. Den 1. Juli kamen wir über Meißen, hübsche Stadt mit der ehemaligen Domkirche, wo der hl. Benno Bischof war, jetzt den Evangelischen eingeräumt.

Eine Kgl. großartige Porzellanfabrik befindet sich auch da nach Dresden Haupt- und Residenzstadt von Sachsen. mit einer aus Quaderstücken erbauten Brücke über die Elbe hat 16 Joch.[16] Der Hof ist katholisch, hat nur eine katholische Kirche und war gerade am 2. Juli als am Heimsuchungsfest das Hauptfest dieser Kirche um ½11 Uhr Predigt dann Hochamt mit prachtvoller Musik. Hier wurde wieder das Wanderbuch vom österreichischen Gesandten visiert und marschierten am 4. Juli durch einen kleinen Teil der sächsischen Schweiz nach Velendorf, allda ist die sächsische Grenze. ½ Stunde weiter in Peterswalden fängt die bayr. österreichische Grenze an, wo wir wieder visiert wurden mit unserm Felleisen. Dann kamen wir an dem Dorf Kulm vorbei, wo abermal eine große Schlacht vorfiel am 30. Aug. 1813, dann nach Teplitz, einer hübschen Stadt, berühmt wegen den Bädern; es befinden sich dort mehrere Heilquellen als das Fürsten-, Stein-, Schwefel- und Schlangenbad sind alles heiße Quellen.

Von da gingen wir am 5. Juli nach Bellin, einem kleinen Städtchen, Laun, etwas größere Stadt, nach Saaz, berühmt wegen dem starken und guten Hopfenbau in dieser Gegend, blieben übernacht und gingen den 6. Juli über Thurnerau, Dragermeißl, Libens, Gitoli, Klumschan, Seiditz nach Schlankl, wo wir übernacht blieben.

Den 7. Juli kamen wir gegen Mittag in Prag an, welche Stadt sich in vier Teile teilt, als Altstadt, Neustadt, Kleinseite und Judenstadt. Schöne Domkirche, wo der Leib des heiligen Johannes liegt. Die Brücke mittels Joche über die Moldau und der Platz, wo der heilige Johannes hineingestürzt wurde, bleibt mir merkwürdig, wie auch die heilige Zunge, die nach 500 Jahren unverwesen in einem Kristallglas in einer Monstranz in. einer Seitenkapelle im Dom sich befindet. Dann in der Karmeliterkirche das Prager Kindl.[17] Es gäbe viel merkwürdiges anzuführen, was aber hier zu ausgedehnt würde.

Den 10. Juli fuhren wir mit einer Landkutsche über Böhmischbrod bis Gullin. Den 11. ging es über Gaslau, der Hauptstadt dieses Kreises mit dem höchsten Kirchturm im Königreich Böhmen nach Jenika, von da nach Deutschbrod, hübsche Stadt mit einem Gymnasium und schönen Augustinerkloster.

Den 12. gings über Iglau, Hauptstadt von Mähren mit Tuchfabriken, am Abend gelangten wir in Budweis, einer kleinen, aber hübsch gebauten Stadt, an und blieben über Nacht.

Den 13. Juli fuhren wir über Znaim – hier sieht man wieder Weinberge! – nach Jetzelsdorf.

Den 14. Juli gings dann über Kornneuburg, Grenzstadt an Österreich, vorzeiten ein Jesuitenkolleg. Dann kamen wir an die Donau und auf die Linie wo die Pässe abgegeben werden müssen. Alsdann kommt man in die Leopoldstadt und über die neuerbaute Franzbrücke auf die Hauptmaut der Stadt Wien, wo wieder mit Gepäck wie Felleisen Visitation gehalten wird. Alle Merkwürdigkeiten dieser so großen Wienerstadt zu beschreiben, führte zu weit

Den 20. Juli fuhren wir mit einem Geiselwagen[18] ganz frisch durch die Vorstadt Schönbrunn. Die Reise ging über St. Pölten, Melk mit schönem Benediktinerkloster, Pömlarn, Enns, Linz.

Sonntag, 22. Juli trafen wir in Linz ein, wurde am Tor unser Felleisen wieder untersucht. Linz ist auch eine hübsche Stadt mit schöner Umgebung. Promenaden, schönen Kirchen und Klöstern ganz an der Donau liegend.

Den 23. Juli gingen wir über Eferting nach Bayrbach.

Den 24. gingen wir bis Passau, teilt sich in drei Städte ab, als: Innstadt, Ilzstadt, Altstadt; war früher Fürstbistum, nun Bischofssitz mit schöner Domkirche und anderen Kirchen, auch eine schöne Wallfahrtskirche am Maria Hilfberg, dann Festung, schöne Brücken; geht am Wasser viel Handelschaft.

Den 25. gingen wir nach Vilshofen, gewerbsame Stadt an der Donau, zweimal durch Feuer bedeutend verunglückt.

Den 26. Juli gingen wir über Baumgarten, Schloß, nach Pfarrkirchen a. d Rott, gewerbsam mit einer schönen Wallfahrt am Gartlberg, sind mehrere Tuchmacher da.

Den 27. reisten wir zum letzten Mal mitsamen noch bis Eggenfelden, hier ging meinem Reisegefährten Anton Hyper seine ausgestellte Paßzeit aus und ging über Landshut nachhause.

Ich nun alleinig nach Altötting. Den 1. August über Trostberg nach Altenmarkt mit schöner Klosterkirche Baumburg. Bei meinem Bruder Ludwig mich einige Tage aufhaltend, den 16. August nach Traunstein, den 17. nach Reichenhall, Salinenstadt, den 18. bis Berchtesgaden, Schloß unseres Königs, Salzpfanne, Bergwerk, Bartholomäussee.

Von da ging ich am 20. August über Ramsau und Hirschbüchl, erste kaiserl Maut, von da weg kann man den Wallfahrtsort Kirchethal, Muttergottesbild mit schöner Kirche, besuchen, eine kleine Stund immer bergauf, dann über Nacht geblieben.

Den 21. über Lofer nach Waidering, St. Johann, Elmau, blieb da über Nacht.

Den andern Tag, 22. August, ging ich wieder früh ab über Wörgl, Anger, nach Rattenberg, Stadt liegt nahe am Inn. Machte Mittag, ging dann wieder fort bis Schwaz. Vor Schwaz befand sich ehemals ein bedeutendes Bergwerk, wo Blei und Silber gegraben wurde Den 23. reiste ich wieder ab, kam auf eine Wallfahrt zum hl. Kreuz nebst Pilldorf, von da nach Werwattersdorf und Volders, Kloster. Von da machte ich links weg einen Seitenweg nach Sinn, Wallfahrtsort, wo der Knabe Anderl von Sinn, 2 ½ Jahre alt, von Juden gemartert worden ist. Ich kam gerade am Vorabend vor diesem Fest an, wo die Kirche schön geziert war, von da ging ich dann nach Hall, Stadt mit Salzpfanne, schöner Kirche und Franziskanerkloster. Hier wird der Inn schiffbar. Dann andern Tag über Absam, einer Muttergotteswallfahrt im Glas mit schöner Kirche, verrichtete meine Andacht und ging dann über das Dorf Dauer mit zwei Kirchen, nach Rumdorf, Argl, nach Innsbruck. Hat viele Merkwürdigkeiten

26. August ging ich von Innsbruck wieder ab, an der Martinswand vorbei nach Zierl, steht am Fuß eines hohen Berges, schöne Pfarrkirche allda. Von da an, besonders am Fußweg, heißt‘s bedeutend Bergsteigen an einem alten Schloß und Ruin mit Namen Fragnstein, dann auf einen Weder heißt Laitern nach Seefeld. Wallfahrtsort und früher Augustinerkloster. Von da kam ich dann in die Scharnitz kaiserl. Maut, nach Mittenwald, erste Bayer. Maut und Grenzort, bedeutende Handelschaft mit Geigen ins Ausland.

Den 27. fuhr ich dann auf der Isar durch die Rieß, Fall und Lengries nach Tölz, wo ich den 27. August Gott zum Dank gesund und glücklich ankam, wie alles gesund auch antraf. Hielt mich bis zum 16. Oktober allda auf und kam von da nach Pfarrkirchen in die Kondition, arbeitete über Lichtmeßzeit bei Herrn Ignaz Koller, Lebzelter, und ging am 20. Februar über Altötting nach Altenmarkt und Tölz, wo ich dann am 16. April 1822 nach Mühldorf abreiste und am 19, April dies Lebzelteranwesen[19] protokollarisch an mich bracht.


Fußnoten

[10] i.e. Budapest

[11] heute: Sopron

[12] Anm. Im Orig.: Anton Hipper ein Sohn der berühmten Weilheimer Brauersfamilie, aus der auch Propst Dietram von Dietramszell (1728-54) oder der Admiral Franz von Hipper (1863-1932) stammen.

[13] Ein relativ flach gearbeitetes Relief

[14] Ort ist nicht zu verifizieren

[15] Anm. im Orig.: Schlacht bei Hanau 1813: Bayern und Österreicher unter Wrede gegen Napoleon

[16] speziell die Pfeilerzahl einer Jochbrücke

[17] »Frager KindI«: das berühmte wächserne Jesuskind der Prager Karmeliten, dessen Verehrung weithin über Süddeutschland ausstrahlte.

[18] wahrscheinlich ist der Zeiselwagen gemeint. Ein städtisches Verkehrsmittel (primitive Bauernleiterwagen mit über die Seiten gelegten Sitzbrettern, gegebenenfalls mit Rohrdecken gegen Witterungseinflüsse überdacht), das außerhalb des Linienwalls eingesetzt wurde und die noch primitiveren Fliegenschützen ablöste.

Wann sich der Begriff Zeisel in Wien eingebürgert hat und welche Gründe für die Bezeichnung ausschlaggebend waren, ist ungeklärt (beispielsweise verwies man auf das Gasthaus »Zum großen Zeisig«, auf Wagenbesitzer aus Zeiselmauer, aber auch auf das bayerische »zeisn« = eilen).

[19] Anm. im Orig.: Das heutige Cafe Kalchgruber, Stadtplatz 45. Damals mit bloß drei Fensterachsen wesentlich schmäler als heute.