Verschollene Hauschronik – Teil 4

Die zweite Frau: Samstag, 24. April 1833, reiste die Frau Schulerin, Bäckermeisterin von hier nach Landshut, wo sie tags zuvor mich fragte, ob ich nichts nach Landshut hätte. Da sagte ich zu Ihr: »Wenn Sie eine brave Bürgerstochter wissen in Landshut, so fragen Sie ob sie nicht heiraten will.“ Sie glaubte dies sei Spaß, ich aber äußerte dies sey Ernst. Da antwortete sie mir: »Wenn Ich etwas ausfindig machen kann, sage ich es schon, da ich Ihnen wie ihre Gattin selig zu gut kenne.“ Am Sonntag 28. Awril als Brüder-Kirchweih zu Landshut fragte die Frau Euphrosine Schulerin die Frau Stadträtin Fleischmann wie Herrn Handelsmann Schmid, die beide mich gut kannten, ob sie keine passende Person für mich wissen. Da wurde nun meine gegenwärtige Gattin, eine Melberstochter von Landshut unter den Bögen, im Dienste als Köchin bei Fräulein Baronin von Gumppenberg-Bayrbach, 31 Jahre alt, der Frau Schulerin vorgeschlagen. Die Frau Schuler redete nun mit ihr, da sagt meine Frau: »Wenn der Mann so ist, wie Sie ihn schildern. sage ich nicht nein.“ Mit dieser Antwort reiste am Montag den 29. April Frau Schulerin zurück, hinterbrachte es mir und ich schrieb gleich am andern Tag einen einfachen Brief an die Magdalena Schmuckermayer, Melberstochter und Köchin bei Fräulein von Gumppenberg, ob es mir erlaubt sey am Sonntag meine Aufwartung machen zu dürfen, wo ich Freitag, 3. Mai wirklich einen Brief erhielt, ich solle nur kommen.

Sonntag 5. Mai reiste ich in Begleitung des Herrn Bäckermeister Schuler um 4 Uhr mit Lohnkutscher Gschwendtner von hier ab, um ½ 6 Uhr in Neumarkt Messe gehört, um 10 Uhr in Vilsbiburg ebenfalls hl. Messe gehört, wie auch gebeichtet. Um ½ 2 Uhr in Landshut angekommen und bei Herrn Ferd. Seb. Schmid abgestiegen. Um ½ 3 Uhr kam Jungfer Magdalena Schmuckermayer und nach kurzer Unterredung wurde gegenseitig das Jawort hergegeben.

Gingen auf das Grab ihrer Eltern selig und eines geistlichen Herrn Onkels Mathias Hackl, gewester Benefiziat von St. Sebastian. Dann in das väterliche Haus zum Bruder Nepomuck, dann zu den Schwestern Kathi im Dienst bei Herrn Kaufmann, Handelsmann, und Josepha zuhause beim Bruder, und besprachen uns. Montag den 6. Mai fuhren wir in Begleitung des Herrn Sebastian Schmid um 8 Uhr in Landshut ab, wo wir ½ 6 Uhr hier ankamen und in den Floriani-Rosenkranz gingen. Den andern Tag um 9 Uhr auf das Landgericht gegangen, wo Herr Schmid und Herr Steiner Beyständer waren und die Braut mir bare 2500 Gulden anheiratete. Sie hatte etwas mehr noch wie eine sehr bedeutende Ausfertigung. Danach um 10 Uhr zum Versprechen in den Pfarrhof gegangen, welches H. Herr Dechant Stempflinger vornahm. Mittwoch ging ich mit Jungfer Hochzeiterin und Herrn Schmid zu Fuß über Heiligenstadt nach Altötting wallfahrten und legten bei einem resignierten Herrn Pfarrer eine General-Beicht ab. Nachmittag dann kam ein Gefährt mit Frau Schulerin und meinen zwei Kindern an, fuhren auf Besuch dann nach Winhöring und dann nachhause.

Sonntag den 19. reiste ich nach Landshut, wo mir meine Frau in Begleitung des Herrn Schmid eine Stunde entgegenging. Montag den 20. Mai fuhr ich, Jungfer Hochzeiterin und Herr Schmid um 4 Uhr morgens von Landshut nach München, wo wir um 3 Uhr ankamen im »Gasthof zum goldenen Bären« am alten Paradeplatz bei Herrn Vogt abstiegen und darnach, da die Hochzeiterin noch nie in München gewesen war, in einem Fiaker herumfuhren. Dienstag den 8. Mai fuhren wir über Tegernsee, wo Bruder von Altenmarkt mit Tochter Kathi auch ankam, nach Tölz, wo wir um ½ 10 Uhr ankamen. Mittwoch den 24. Mai fuhren wir in drey Schesen nach Lengries und Hohenburg, Schloß, dann wieder nach Tölz, Mittag gemacht; nachmittag nach Benediktbeuren, abends 8 Uhr zurück. Donnerstag 23. May, zugleich Geburtsfesttag meiner Jungfer Hochzeiterin (1802), beichteten wir am Kalvarienberg bei Herrn Benefiziaten Ostermann. Mein hochwürdiger Herr Vater reichte uns das hl. Abendmahl vor der hl. Messe um 7 Uhr, dann die hl. Messe gehört, dann zur Einsegnung sich angekleidet. Um 9 Uhr dann in die Pfarrkirche gezogen mit 15 Hochzeitsgästen. Dann die Einsegnung durch meines Herrn Vaters Priesterhand, dann eine Anrede von ihm gehalten worden, dann  feierliches Hochzeitsamt auch von meinem hochwürdigen Herrn Vater gehalten. Dann war das Hochzeitsmahl, wo Herr Peter Geis, Organist, mit dem von ihm erfundenen Instrument, wo mein Bruder Anton Zahler war und Manhart[39] den Mechanismus eingebaut hatte, das viel Zeit und Geld gekostet hatte, aufspielte. Es ist wie ein Klavier oder Wienerflügel so groß und brachte folgende Instrumentaltöne hervor als: Klavier, Violin, Violin Baß, Horn, Klarinette, und Flöte. Es war wohl gut anhören. Bis nachts 11 Uhr saßen wir fröhlich beisammen.

Freitag, den 24. Mai, wurde um 8 Uhr abgefahren. Vor dem Abfahren baten und ermahnten wir unsern besten Bruder und Witwer mit sieben Kindern, daß er den Gedanken, mit dem Instrument nach London zu reisen und Hauswesen, Kinder, Bürgermeisteramt zu verlassen sich aus dem Sinn schlagen möchte, da er in London das nie erreichen wird, was er zu erreichen glaubt, nämlich viel, überaus viel Geld. Wir legten ihm dies alles recht ans Herz, allein was gab er zur Antwort: »Ein Bruder rede dem andern nicht ein! Ich tue wie ich es für gut finde.“ Nun wandte ich mich an die lieben sieben Mädel noch und sagte: »Gemäß Eurer bat ich, dies dem lieben Vater zu untersagen, was nun geschehen ist, wir aber nicht Gehör fanden.“ Nun beurlaubten wir uns, danketen herzlich dem Bruder und Familie für alles genossene und wünschten ihm Glück, wenn er dieses große Unternehmen ausführen wolle. Am Freitag abends kamen wir in Rosenheim an, blieben bei Herrn Weingastgeber Kreiderer über Nacht. Samstag den 25. Mai um 1/25 Uhr in Rosenheim abgefahren, in Wasserburg Mittag gemacht beim Bräu im Winkel, dann über Kraiburg hierher, wo wir um ½ 6 Uhr bei einem Gewitter glücklich eintrafen. Die ganze Reise hindurch hatten wir allerschönste Maitage, daher umso angenehmer diese Hochzeitsreise.

Pfingstsonntag 26. Mai wurde allhier eine kleine Hochzeitstafel gehalten, wo zu den fremden Gästen, Frau Base Maria Niggl, Köchin, Herr Vetter Jakob und die zwei Kinder bei der Tafel saßen. Am Montag 27. fuhren dann die mit uns reisenden Hochzeitsgäste, als die zwei Jungfern Schwägerinnen und Herr Schmid nach Landshut morgens 4 Uhr ab. Mittwoch, 29. Mai 1833, fuhr die Frau mit Herrn Angsesser mit einem Wagen ab um ihre Ausfertigung zu holen. Donnerstag 30. May wurde in Landshut aufgelegt, ein großer Wagen voll…

Erschienen in: »Die Bayer’sche Landbötin«, 20. September 1832

Am Karsamstag, den 29. März 1834, unter der Auferstehung abends halb 7 Uhr mittels Zangengeburt, wo Herr Doktor Schuler, Herr Landarzt Hofer, Hebamme Frau Remele, alte Base Köchin und Magd Kreszenz zugegen waren, ist der kleine Knabe zur Welt geboren und am 30. März um 11 Uhr Mittag getauft, wo er den Namen Franz Paul erhielt. Getauft hat ihn Herr Kooperator Steppberger und er erhielt die Neutaufe. Bei Erteilung der hl. Taufe war zugegen Hochw. Herr Steppberger, Wilhelm Lehr, Mesner, dessen Frau Anna, Herr Taufpate Steiner, Frau Base Ottilia Daxenberger, Frau Remele; mein Sohn Josef trug die Kerze.

Mittwoch 7. Jänner 1835 verehelichte sich Jungfer Schwägerin Katharina, eine Schwester meiner Frau, mit Herrn Josef Klein, Glasermeister in Landshut wo meine Frau dahin reiste zur Hochzeit.

Dienstag im May 1835 wurde der Herd in der Kuchel ganz neu gebaut. 1835, am Fronleichnamstag, levitierte statt Herrn Stemer mein H. H. Vater beim hl. Amt wie bei der Prozession.

Donnerstag den 15. Sept. 1836 morgens 8 Uhr wurde meine Gattin mit einem Knaben glücklich entbunden. Am Vorabend kam mein lieber Bruder Anton in Begleitung seiner ältesten Tochter Antonia hier an, welcher zu Fuß nach Altötting wallfahrtete. Da Herr Steiner durch Anwesenheit des Grafen in Winhöring verhindert war, hob mein Bruder den kleinen Ludwig aus der Taufe. Getauft hat ihn Baron von Brück, Kooperator allhier; der kleine Franz Paul trug die Kerze, Bruder Anton als Taufpate, Frau Steiner, Frau Base Köchin, Jungfer Base Antonia aus Tölz, wie ich waren beim Kindstaufschmaus und waren vergnügt beisammen.

Vom 20. auf 21. März 1837 starb mein alter Gärtner mit Namen Augustin Peißl, geb. in Wilferstetten bei Wemding in Schwaben, als 72 Jahre, den ich sozusagen abnährte, da er seit 1822 bei mir sich aufhielt, wenn er keine Arbeit hatte, besonders im Winter. Er kam im letzten Jahr wohl in das Spital, erhielt aber wöchentlich nur 24 Kreuzer, wo er nie damit hätte leben können. Montag 10. Juli 1831 war Bäckerjahrtag, wo Ich zum erstenmal gemäß Einteilung von Seite der Regierung, beiwohnte. Ich wäre weit lieber In der Lebzelter-Lade zu Burghausen geblieben. Dingen eines armen Lehrlings kostet 1 Gulden 12 Kreuzer, eines reichen 5 Gulden. Ignaz Brodmann, Bräuerssohn von Neuötting, wurde als Lehrjunge eingedungen und aufgeschrieben. Sonntag, 25. Juli bekam Ludwig die Fleckl oder Scharlachtriesel, die ihn sehr krank machten und dauerte eine Woche. Den 9. Juli wurde mein Sohn Josef In Kraiburg gefirmt. Firmpate war Herr Josef Jakob, Kupferschmid allhier. Gefirmt hat ihn Herr Erzbischof Lothar Anselm.

Freitag, den 8. Februar 1839, ist um ½ 4 Uhr morgens mein hochwürdiger Herr Vater in Tölz im 81. Lebensjahr an Altersschwäche gestorben. Samstag, 9. erhielt ich von Tölz einen Brief, daß mein hochwürdiger Herr Vater sehr schwach ist und mit uns zu sprechen wünscht. Ich reiste um 10 Uhr morgens gleich ab nach Altenmarkt. Sonntag, den 10. als Fastnachtssonntag reiste ich dann mit Bruder Ludwig, dessen Sohn Ludwig und Stiefsohn Michael nach Tölz ab, kamen abends 8 Uhr an. Montag, 11 Feb. 1839, war um 10 Uhr feierliches Leichenbegängnis und erster Seelengottesdienst Hochwürden Herr Vater hatte an Barschaft nicht ganz tausend Gulden. Da war eine Schrift von ihm dabei, die lautete: »Dies Geld gehört zu meiner Beerdigung, wo Ihr die Aufschreibung wie ich selbe wünsche, finden werdet. Geht was ab, zahlt ihr darauf, was übrig bleibt könnt ihr teilen.“ Wo nach allem Ausbezahlten 66 Gulden blieben, einen also davon 22 Gulden trafen.

Dienstag den 18. Februar 1840 probierte ich eine blecherne Lampe im Bachofen zum Vorfeuer. Selbe wurde brennend, ich hebte sie mit zwei Spänen heraus und schüttete das ganze siedheiße Baumöl über die linke Hand, hatte lange daran zu heilen mit Bleiweißzerrat.[40] – Mittwoch den 9. Dez. ist Herr Schwager Johann Nep. Schmuckermayer an Leberverhärtung und Zehrfieber gestorben. Donnerstag 10. Dez. reiste die Frau mit Franz Paul und Josef zur Leich dahin. – Donnerstag 17. Juni, als in Altötting Pferderennen war, wurde meiner Frau in der hl. Kapelle das Geld 3–4 Gulden in einem Beutel aus dem FürtuchtaschI gestohlen. Montag 5. Juli 1841 war beim Steiningerbräu Bäckerjahrtag, wo Sohn Josef als Lehrling eingeschrieben wurde. Dienstag 8. Februar 1842  als Fastnachtsdienstag mittag 12 Uhr starb in Tölz an Lungenlähmung mein bester Bruder Anton Handelsmann in Tölz im 50 Jahre seines Alters mit Hinterlassung von 7 Madl. Donnerstag 10. Feb war Leichenbegängnis. Am Aschermittwoch den 9. hatte ich meinen Sohn Josef nach Neuötting zum Schreinermeister Mühlbauer in die Lehre gebracht, wo wir als wir dort waren die Kunde von des Bruders Tod mit eigenem Boten erhielten. 21. und 22. Febr. waren die Gottesdienste in Tölz, wo ich und Bruder Ludwig von Altenmarkt hinauffuhren. Den 30. März Mittwoch nach Ostern, ging Sohn Ludwig bei Herrn Zimmermann, Lehrer, das erstemal in die Schule. Montag den 30. Mai 1842 kam der dritte Knabe von dieser Frau zur Welt. Am 31. Mai nachmittag 2 Uhr war feierliche Taufe und empfing den Namen Anton. Getauft hat ihn Herr Kooperator Hampl; Anton Daxenberger, 2 ½ Jahre alt, trug die Kerze. Freitag den 3. Feb 1843 wurde der kleine Anton krank und starb am 7. März morgens drei Uhr an harten Zähnen und Mehlhund.

Im März 1845 machte Josef in Altötting bei einem Tischler seine Gesellenprobe, einen Komodkasten mit drei Schubläden aus weichem Holz, wo gegenwärtig Lebzelten eingewickelt sind. Zu Pfingsten trat Josef zu Tischlermeister Fröhlich[41] in Kondition. Den 9. Mai stellte ich das Fünf-Wunden-Brünndl beim Murrbrau-Quellwasser auf. Die steinere massive Muschel erhielt ich von Herrn Martin Murr, Bräuer, welche ober dem Kellereingang ein gemauert war. Den von Eisen gegossenen Christus kaufte ich von Herrn Scheifele und ließ durch Schlosser Fix die fünf Wunden bohren.

1845 habe ich die Frauenkirche zu besorgen übernommen. Dienstag, 21 Juli. hat Sohn Josef die Gesellenprobe abgelegt im Beisein des Herrn Ludwig Forster Lebzelter in Kraiburg, und Herrn Stockmayer Bäcker und Zechmeister von hier. Weiße Vierling-Kerzen gegossen und ausgerollt. Hernach den Lehrbrief am Landgericht erhalten und am Magdalenentag auch das Wanderbuch. Montag, 27. Juli, war Bäckerjahrtag, wo Josef freigesagt wurde. Dienstag, 28. Juli 1846, hat Martin Hillebrand, angehender Lebzelter von Neuötting, bei mir Gesellenprobe abgelegt.

Dienstag, 2. März 1847 nachts ½ 11 Uhr starb Frau Schwägerin Josepha Ecker, Lehrersgattin in Pfronbach. Den 4. März war Leichenbegängnis wo ich mit Antonia und Franz Paul hinüberfuhr. Samstag, den 8. Mai, erkrankte Franz Paul und wurde bettliegerig. In der Kreuzwoche wurde die Krankheit bedenklich. Entzündung am Unterleib heftiger. Um 11 Uhr mittags gebeichtet bei Hochw. Herrn Georg Stöckl und gleich versehen mit allen hl. Sterbsakramenten. Mittwoch, 12 Mai, Vorabend vor Christihimmelfahrt, im Beisein des Hochw. Herrn Stöckle bis zum letzten Atemzug bei Bewußtsein verschieden.

Den 14. Mai war Leichenbegängnis mit halben Kondukt und Seelengottesdienst. Dienstag, den 14. September 1874 am Feste der Kreuzerhöhung stellte ich in Begleitung von Antonia und Ludwig ein 17 Pfund schweres, von Wachs gegossenes, schön geziertes Kreuz am Kalvarienberg ober der heiligen Stiege beim Ecce Homo auf, wo ein Futteral mit Glas darüber kam Es hatte die Höhe wie Franz Paul groß war und galt als ein Opfer für Franz Paul.

Die letzte Parade

Am 12. Oktober 1848 machte ich die Parade bei der Landwehr zum letztenmal mit, da ich alle vorderen Zähne verloren hatte und als Picotist das Piccolo nicht mehr blasen konnte. Ich diente als Landwehrmann volle 26 Jahre, da ich am 1. Oktober 1822 das erstemal als Picotist aufzog. Diente durch drei Könige als: König Max I., König Ludwig I., Max II. Ich bezahlte bei meinem Einstand wie Ausstand meinen Herrn Mitkollegen einen Trunk. Samstag, 24. November 1849, richteten ich und Ludwig in der Frauenkirche die Bretter zum besseren Hin- und Hergehen, wo Ludwig von dem Tram auf das Gewölbe fiel, aber Gott zum Dank sich gar nicht verletzte. Dienstag, 4. Dezember, mußte Josef bei der Konskription losen und zog Nr. 63 von 113 Konskribierten. Wurde wegen Schwächlichkeit auf ein Jahr zurückgestellt. Den 21. Jänner 1850 kaufte ich von Georg Hanner die gegenwärtige Hausuhr, welche früher im Bade Annabrunn am Türml sich befand, 1822 herunterkam und die alten Vontinischen Kinder dem Martin Hanner, Kaminfeger, in Versatz gaben, welcher seIbe für die Frauenkirche, wenn ein Turm gebaut würde, bestimmt hatte. Samstag. den 16. Februar wurde die von Herrn Xaver Niederhauser, Binder und Schlosser, zusammengerichtete Hausuhr aufgestellt, wo selbe am Sonntag als erster Sonntag in der Fasten und Markttag zum erstenmal ging.

Anfangs Februar 1850 kaufte ich von Peter Eismer, Roßmetzger, den äußeren Garten, zwölf Dezimalen[42] um 110 Gulden, und wurde vom 25. März bis 30. planiert zu dem meinigen hinzu. Sonntag den 31. März 1850 starb in Hohenaschau das letzte Geschwistert von meinem Hochw. Herrn Vater, die Frau Base Johanna[43] Restin, Wirtin, im 76. Lebensalter. Am Fronleichnamstag, 30. Juni war Parade, wo Ludwig zum erstenmal statt meiner in Uniform aufzog und mitmachte. Dienstag 11. Oktober hielt Herr Vetter und Gevatter Ludwig Niggl, Bierbrauer in Altenmarkt Hochzeit mit Jungfrau Elisabeth Sedlmayer, Wirtstochter von Engelsberg. Ich und Frau waren in der Hochzeit. Bei dieser Hochzeit wo die Frauen auf Baumburg gefahren wurden in die Kirche, wurde die Schese, wo meine Frau fuhr umgeworfen, der Rock zerrissen und beschädigt sonst doch nichts. Dies geschah Mitte des Berges nach Baumburg ober der hölzernen Kapelle. Montag 20. Jänner 1851 mußte Josef zur Abstellung und Visitation nach München reisen und wurde wegen schwächlichem Körperbau vom Militär freigesprochen. Am 19. Febr. 1851 sandte ich nach Tölz die zwei Verlobniskerzen jede 10 Pfund schwer geziert zum hl. Franziskus und Antonius, daß selbe in der Dreifaltigkeitskirche bei den P. Franziskanern aufgestellt werden nebst einem hl. Amt wegen Befreiung Josef vom Militär. Mittwoch den 27. August 1851 machte ich mit Ludwig eine Vergnügungsreise zu vielen meiner Anverwandten als Altenmarkt, Traunstein, Aschau Brannenburg, Aibling, Kirchdorf, Tölz, München, Landshut, München hatten aber meist Regenwetter. Den 14. September nachhause. Den 6. Juni 1852 hat Ludwig die Gesellenprobe abgelegt wurde am Bäckerjahrtag freigesagt. Den 16. Juli kam Josef von seiner ausländischen Reise und Fremde hier an. Am 29. August 1852 Uhr reiste Ludwig über Altötting den in die Fremde.

Am 18. Februar 1853 kam Antonia mit Herrn Vetter Ludwig von Altenmarkt hierher betreff der Heiratsangelegenheit in Obing. Am 28. Februar kam Herr Peter Rechl, Wirtssohn von Obing, und werbte um die Hand der Antonia. 30. März war Protokollierung in Obing bei Trostberg. 31. in Obing das Versprechen im Pfarrhof. Freitag, 1 April, mit Antonia nachhause gereist. Ausfertigung geordnet und Brautwagen gepackt. Donnerstag, 7 April, war Jungfrau Messe für Antonia danach Beurlaubung überall und reiste Antonia mit Lohnkutscher Vontini ab bis Tacherting, wo selbe der Hochzeiter abholte: nach Brautwagen abpacken und ordnen blieb selbe bis zur Einsegnung in Altenmarkt. Dienstag 12, April, mit Sohn Josef und Herrn Steininger zur Hochzeit gefahren, 10 Uhr Hochzeitsamt. 1 Uhr Tafel wo 57 Gäste in der Hochzeit waren. Das Mahl dauerte bis nachts 10 Uhr. Die Braut wurde um 4 Uhr in das Austragswohnhaus gestohlen und mit teurem Wein und Confekt bewirtet. Die ganze Hochzeit fiel gut aus und fiel gar nichts Ruhestörendes vor und gab viele Leute. Ich als Vater der Braut ließ in Mühldorf in der Frauenkirche ein hl. Bittamt halten und dreißig Arme ausspeisen als Jahre die Braut zählte für jede Person 36 Kreuzer bezahlt. Mittwoch, 13. April war Bauernhochzeit wobei 180 Gäste beiwohnten, um 10 Uhr Hochzeitsamt. Wir blieben aber nicht dabei, sondern fuhren nach Altenmarkt, wo wir über Nacht blieben. Somit ging die ganze Hochzeitsfeier sehr gesellig ab allein immer bei Schneetreiben und Schnee schuhtief.

Den 2. März 1854 stellte ich in der Bleiche die von Stein ausgehauene hl. Ursula auf, die Herr Maler Daun renovierte.

Den 23. Februar 1855 war in Altenmarkt Hochzeit, zweite Verehelichung des Herrn Vetter und Gevatter Ludwig Niggl mit Jungfrau Regina Moosmüller, Forstnerstochter[44] von der Hintern Rieß. 30 Jahre alt und neun Jahre Köchin bei Herrn Joh. Bapt. von Reindl, Bräuer in Tölz. Hochzeitsgäste 40; den andern Tag Bauernhochzeit mit 72 Gästen.

Sonntag, 19. Juni 1855, kam Sohn Ludwig von Altötting her in seiner väterlichen Heimat gut an von seiner dreijährigen Wanderschaft, den Eltern zur Freude, gesund, wohlbehalten und gebildet. Es war Fronleichnamssonntag abends ¾ 7 Uhr, wo eine musikalische Litanei war und Ludwig das erstemal wieder Violin spielte. Im Juni 1855 kam Sohn Josef in Tölz an, um das Bad Krankenheil, früher Heilbronn, eine Stunde von Tölz, für sein Magenleiden zu benützen. Blieb bis zum 20. August, wo er zu seiner Schwester nach Obing sich begab. Ich sandte zweimal 50 Gulden, welches aber allerdings mehr kostete, wenn Josef von Herrn Vetter und Frau Base Khann in meiner ehemaligen Heimat nicht gut aufgenommen und bewirtet worden wäre.

Dienstag, 6. Nov, wurde in der Marienkirche der von mir gestiftete Jahrtag mit Vigil. Requiem und Libera für alle verstorbenen Wohltäter der Marienkirche, wie den 7. für alle Lebenden zum erstenmal abgehalten.

Mittwoch, 2. Juli 1856, war ich mit Herrn Anton ScheifeIe durch Lohnkutscher Kolbinger nach Buchbach gefahren, wo am Johannitag wie am 2 Juli auf offenem Platz die Schlacht von Ampfing[45] vorgestellt wurde. Es war schönster Tag, machten es auch gut. Anfang 2 Uhr, Ende 5 Uhr, gab recht viele Leute, hatten auch schöne Kleidungen.

Samstag, den 6. Nov. 1856 ist gestorben Frau Anna Niggl, ehemalige Wirtin in Kirchdorf bei Aibling, Schwägerin meines hochw. Herrn Vaters selig. Wurde 83 Jahre alt. 1857 legte Sohn Ludwig in Landshut doppelte Fähigkeitsprüfung ab, nämlich die der Lebzelterei wie die der Konditorey. Donnerstag, 2. Juli 1951 ist gestorben Frau Base Elise Burger, geb. Niggl, Handelsmannstochter aus Tölz, von meinem Bruder Anton selig die zweitgeborene Tochter. Sie war Apothekerin in Aibling kinderlos. Montag. den 6. Juli, bin ich mit Dampfschiff von hier bis Wasserburg gefahren. Anderntag mit Dampfschiff[46] bis Rosenheim gefahren. Mittag gemacht dann bis Aibling gegangen Mittwoch um 9 Uhr der 30 Seelengottesdienst für Frau Base Burger mit zwei hl. Seelenämtern und Lobämtern. Nach dem Freundschaftsmahl mit Herrn Vetter Niggl bis Pittenhart gefahren, dann bis Obing gegangen.

Donnerstag, 30. August 1857, wurde in Reichenhall die große 36 Zentner schwere Glocke für Baumburg gegossen von Herrn Oberascher, Glockengießer. Von Montag 24. bis 21. August vollendete ich eine gegen neun Pfund schwere Kerze, die ich auf den 700jährigen Ablaß in Baumburg zur Verehrung widmete. Freitag, 28. August, begleitete ich mit dem Dampfschiff Hochw. Geistl. Rat und Stadtpfarrer Josef Bauer bis Wasserburg. Samstag, 29., Herrn Geistl. Rat bis Eiselfing begleitet, dann nach Obing gegangen. Sonntag, 30. August, bin ich mit Schwiegersohn Peter und Tochter Antonia auf Besuch der hiesigen Frau Landrichterin Kreszenz Schmid nach Adelholzen, von dort nach Marla Eck dann wieder nach Obing. War schönste Witterung. Montag wieder nachhause. 18. September 1857 mit Daxenberger-Fräulein bis Trostberg gefahren, dann nach Altenmarkt gegangen zum 700jährigen Jubiläum in Baumburg, wo am nämlichen Tage die große Glocke aufgezogen wurde. Samstag, 19. September, wurde in Baumburg abends drei Uhr der Ablaß feierlichst eingeläutet mit zwei neuen Glocken. Da zugleich eine Mission gehalten wurde, waren zugegen 16 Weltgeistliche, die bei Herrn Vetter Niggl in Altenmarkt logierten und speisten; dann acht Kapuziner und zwei Karmeliten, die logierten und speisten bei Herrn Vetter Anton Niggl, Hofbauer in Baumburg. Montag reiste ich wieder nachhause. Am Freitag, 25. September ging ich mit Ludwig wieder zu Fuß nach Altenmarkt zum Jubiläumsschluß von Baumburg …«

Mit diesem Eintrag vom 25. September 1857 brechen die Aufzeichnungen des Franz von Paula Niggl plötzlich ab, nachdem sie uns durch lange, biedermeierliche Jahrzehnte begleitet haben, Gewiß, es war keine aufregende Lektüre, und Sensationen oder gar »Enthüllungen« sind uns nicht zuteil geworden. Aber wir haben dafür tief in den Bürgeralltag der Zeit vor hundert Jahren hineinschauen dürfen, und wenn in unseren Geschichtsbüchern für gewöhnlich nur die großen Ereignisse figurieren, die Haupt- und Staatsaktionen, müssen wir gerade für eine solche Ergänzung des historischen Bildes dank bar sein. Weil diese Aufzeichnungen nicht etwas später Zusammengeschriebenes sind, sondern Stimme und Stimmung einer ganzen, längst dahingegangenen Generation mußten wir sie möglichst ungekürzt und unfrisiert bringen, damit sich jeder Heimatfreund und Heimatforscher das, was ihn interessiert, selber herauslesen kann. Und ist es nicht merkwürdig, daß wir diese Chronik genau zur selben Zeit abschließen, wo die alte Handwerkergerechtigkeit von den Cupi und den Farnbacher, den Neumayer und den Niggl her für immer erlischt und aus dem dreihundertjährigen Lebzelteranwesen am Stadtplatz ein modernes Kaufhaus wird?


Fußnoten

[38] Anm. im Orig.: Minet: Menuett.

[39] Anm. im Orig.: Manhart: Johann Mannhardt aus Gmund am Tegernsee, der berühmte Mechaniker und Kunstuhrenmacher der ludowizianischen Zeit. Seine großen Erfolge in London gaben wohl Niggls Bruder den Plan zur gleich erwähnten London-Reise ein.

[40] Bleiweißsalbe, s. Blei. … Bleiweißsalbe (Unguentum Cerussae, Unguentum album simplex). Diese sehr wirksame Salbe ist, als Hausmittel gegen Verbrennungen, zu stark eiternde Wunden und Geschwüre, die nicht unrein sind, unter dem Volk sehr beliebt. … Diese Bleiweißsalbe darf nicht mit der Bleisalbe (Unguentum plumbicum s. saturninum, s. Ceratum Saturni) verwechselt werden. Dieses Zerat ist eine sehr gute Heilsalbe, welche aus sechs Lot Bleiessig und drei Pfund Fett besteht. … (aus: Georg Friedrich Most, Enzyklopädie der Volksmedizin Medizin, 1843)

[41] Anm. im Orig.: Fröhlich eine bekannte Mühldorfer Bildhauer- u Schreinerfamilie. Von Christoph Fröhlich etwa stammt die ganze Bildhauerarbeit an der Kanzel von St. Nikolaus.

[42] Ein Dezimal war ein bayerisches Flächenmaß und umfasste 34,0727 m², nach anderen Angaben auch 34,08 m², das entspricht einem Hundertstel Tagwerk

[43] Johanna Rosina * 8. 3. 1773

[44] Anm. im Orig.: Man beachte die altbayer. Dialektfeinheit »Forstner« statt »Förster«. Hier handelt es sich noch dazu um eine Forstnerstochter aus dem großartig-entlegenen, schon tirolischen Wald- und Bergrevier der Hinterriß.

[45] Anm. in Orig.: Der einzige Beleg, den wir für diese Aufführung haben 35 Jahre vor Martin Greif und den Kraiburgern! Hat man das Stück von Ludwig Uhland gespielt oder gar noch den alten J. N. Lengenfelder?

[46] Anm. in Orig.: Es handelt sich hier wohl um die bei Maffei gebaute »Vorwärts«, die bis 1862 auf dem Inn fuhr.  Sie hatte im September 1854 ihre erste Probefahrt getan und dabei flußaufwärts von Mühldorf bis Kraiburq gute zwei Stunden gebraucht; flußabwärts schaffte sie die weite Strecke von Roseoheim bis Braunau zum Staunen der Zeitgenossen in »nur’„ zehn Stunden. (Vql. Aufzeichnungen des Mühldorfer Heimatforschers F. Neumeyer.)